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"Gleich und gleich gesellt sich gerne"

Warum Kinder und Jugendliche ihrer Peer-Gruppe besser zuhören als Erwachsenen und wie man dieses Phänomen nutzen kann – ein Blogbeitrag der Leiterin der Akademie für Mediation und Persönlichkeitsbildung, Mag. Christine Haberlehner.

Sie leitet seit 1997 ein Peer-Mediationsprogramm am ibc Hetzendorf und an der KPH Wien/Krems die Ausbildung zum Peer-Mediations-Coach für Lehrer*innen.

Die Akademie für Mediation und Persönlichkeitsbildung bietet auch Aus- und Weiterbildungen speziell für Peers und Peer-Coaches an.

Peer-Gruppen beeinflussen Kinder und Jugendliche stärker als Eltern

Erinnern Sie sich noch an Ihre eigene Schulzeit? Wie cool waren doch Sylvia und Peter aus der Klasse über Ihnen. Und wie wichtig war Ihnen die Meinung Ihrer Freund*innen, im Vergleich zu jener Ihrer Eltern?

Eben! Peers (gleichaltrige Expert*innen) nehmen einen wesentlichen Einfluss auf unsere Entwicklung. So geht es auch unseren Kindern. Sie lernen nur bedingt von uns Eltern, vor allem wenn es um die Nutzung von Medien geht. Die wesentlichen Dinge, also das, was für sie wirklich entscheidend ist, lernen sie von Gleichaltrigen. Uns Erwachsenen trauen sie meist nicht zu, so gut und cool mit sozialen Medien umzugehen, wie ihren Peers.

Manche Schulen nutzen dieses Phänomen und etablieren so genannte Peer-Programme in denen Kinder und Jugendliche voneinander lernen können: zum Beispiel einen guten Umgang miteinander, eine verantwortungsvolle Mediennutzung und auch wie Mobbing von vornherein verhindert werden kann.

Peer-Mediation hat mein Leben sowohl innerhalb als auch außerhalb der Schule positiv beeinflusst. Durch Peer-Mediation ist in der Schule Gemeinschaft entstanden. Während den Klassenräten, haben wir ein Gemeinschaftsgefühl innerhalb der Klasse erweckt und während den Seminaren wurden wir zu einer Gemeinschaft, oder wie wir gerne gesagt haben, zu einer Familie.

Noch heute kann ich meine gesammelten Kompetenzen im Berufs- sowie im Privatleben anwenden. Durch dieses Freifach bin ich reflektierter, empathischer und offener geworden.“ – Celina Seiler, ehemalige Peer-Mediatorin am ibc Hetzendorf.

Fragen und Antworten rund um Peer-Programme

Worüber reden Peers mit Schüler*innen?

Peers unterstützen ihre Mitschüler*innen bei genau jenen Fragen, die diese gerade im Alltag beschäftigen. Besprochen wird, was für die Schüler*innen selbst wichtig ist.

Beispiele:
Wie schafft man ein gutes Klassenklima? Wie ticken die Lehrer*innen? Wie geht man mit dem Handy richtig um? Was kann man bei Mobbing tun? Wie geht man mit verschiedenen Kulturen um? Wie lerne ich besser?

Wer kann solche Peer-Gruppen anleiten?

Peers sollten auf keinen Fall alleine gelassen, sondern professionell bei ihrer Arbeit begleitet werden. Dazu braucht es gut ausgebildete Lehrer*innen, sogenannte Peer-Coaches, die die Schüler*innen zu Peer-Mediator*innen ausbilden und bei der Konfliktbearbeitung begleiten. Eine sehr anspruchsvolle Tätigkeit, die eine hohe soziale Kompetenz aller Beteiligten voraussetzt!

Wie kommen Schüler*innen und Peers zusammen?

Entweder in einer Unterrichtsstunde, in der die Peers statt der Lehrperson Rede und Antwort stehen oder bei gemeinsamen Aktivitäten in der Pause oder in der Freizeit. Darüber hinaus kann es sinnvoll sein sogenannte Klassenräte (freiwillige wöchentliche Versammlungen für Schüler*innen) einzurichten, in denen Peers direkt mit den Klassen arbeiten oder Workshops für jüngere SchülerInnen planen können.

Welche Art von Peer-Programmen gibt es?

Am weitesten verbreitet sind Peer-Mediations-Programme zur Verbesserung des Schul- und Klassenklimas. Schüler*innen werden zu Peer-Mediator*innen ausgebildet und unterstützen als solche andere Schüler*innen mit ihrem Expert*innenwissen bei Konflikten oder Problemen. Peer-Mediator*innen werden von Erwachsenen, sogenannten Peer-Coaches, bei ihrer Arbeit unterstützt. Auch Peer-Coaches werden speziell dafür ausgebildet.

Peers können aber grundsätzlich je nach Bedarf auf jedes Thema – wie zum Beispiel Sexualität – spezialisiert werden.

Peer-Mediation und Gewaltprävention – wie hängt das zusammen?

Peer-Mediation ist eine der stärksten Maßnahmen zur Gewaltprävention an Schulen. Nur wenn Schüler*innen mithelfen, Konflikte frühzeitig zu lösen und gemeinsam am Schul- und Klassenklima arbeiten, können Gewalt und Mobbing verhindert werden. Diese Tatsache muss in der aktuellen Diskussion rund um Gewalt an Schulen berücksichtigt werden. Um Gewalt an Schulen zu verhindern, braucht es flächendeckende Peer-Mediations-Programme an allen Schulen.

Was bringt es der Schule, ein Peer-Mediations-Programm zu betreiben?

Die Arbeit mit Peers passiert nicht nebenbei, sie erfordert eine gründliche Planung und Betreuung. Der Aufwand macht sich jedoch auf jeden Fall bezahlt. Bis zu 80% weniger Konflikte landen in der Direktion, das Zusammenleben der Klassenverbände wird messbar verbessert und auch interkulturelle Gruppen können besser betreut werden. Die Gewaltbereitschaft an Schulen, die ein erfolgreiches Peer-Programm betreiben, sinkt signifikant. Nur wenn das Klassenklima passt, ist Lernen möglich!

Was bringt Peer-Mediation den Lehrer*innen?

Den Lehrer*innen ist zwar meist bekannt, dass erfolgreiche Peer-Programme einen positiven Effekt auf das generelle Schulleben haben. Dennoch fällt ihnen die Umsetzung solcher Programme nicht immer leicht. Schließlich haben diese auch zur Folge, dass einzelne Schüler*innen in manchen Unterrichtsstunden fehlen (weil sie andernorts gebraucht werden) oder dass über sie gesprochen wird.

Haben die Schüler*innen Redebedarf ist eine professionelle Kommunikation einer unkontrollierten dennoch vorzuziehen – auch wenn es manchmal unangenehm sein kann, zum Zentrum der Aufmerksamkeit zu werden. Konflikte können so oft schnell gelöst werden ohne das Lernklima und den Unterricht zu stören. Außerdem können Lehrende selbst direkt von der Kompetenz der Peers profitieren, in dem sie diese als kompetente Ansprechpartner*innen für Konflikte und Mobbing heranziehen und sich mit ihnen beraten.

Wo können sich die Lehrer*innen ausbilden lassen?

Manche pädagogische Hochschulen bieten spezielle Lehrgänge zur Ausbildung zum Coach für Peer-Learning oder Peer-Mediation an: in Wien z. B. an der KPH Wien/Krems (Anmeldungen sind bis Mitte September noch möglich), in Klagenfurt an der Uni Klagenfurt, in der Steiermark an der PH Steiermark und in Oberösterreich an der PH Oberösterreich.

Was mache ich, wenn es an der Schule meines Kindes noch kein Peer-Programm gibt?

Setzen Sie sich am besten mit der Direktion in Verbindung. Diese entscheidet über die Einführung solcher Programme, schickt Lehrer*innen in die Ausbildung und ermöglicht das Arbeiten der Schüler*innen.

Die Qualität des Peer-Programmes ist entscheidend – „Zertifizierte Schule ÖBM“

Peer-Programme sind immer auch ein Schulentwicklungsprozess. Eine Schule muss sich bewusst dafür entscheiden, die Schüler*innen stärker am Schulleben zu beteiligen, Ressourcen für Peer-Coaches bereit zu stellen und die Struktur an der Schule zu verändern. Der Österreichische Bundesverband für Mediation (ÖBM) unterstützt Schulen, die Peer-Mediations-Programme in guter Qualität umsetzen. Nach Überprüfung der Kompetenzen der Peers und Peer-Coaches kann die Schule ein Qualitätssiegel – die „Zertifizierte Schule ÖBM“ – erhalten.

Vorzeigeschule International Business College Hetzendorf

Die Wiener Handelsakademie IBC Hetzendorf betreibt mit ihren rund 1800 Schüler*innen und 165 Lehrer*innen bereits seit 1997 eine erfolgreiche Peer-Mediation. Mittlerweile haben sich daraus insgesamt fünf Peer-Programme und ein Maßnahmenpaket „Schulklima Plus“ entwickelt.

Weiterbildungsmöglichkeiten bei der Akademie für Mediation und Persönlichkeitsbildung

 

Die AMP hat für zertifizierte Peer-Mediator*innen und Peer-Coaches Aufbaumodule entwickelt, die es ermöglichen, die Ausbildung zum/r eingetragenen Mediator*in nach ZivMediatG, zu absolvieren. Schauen Sie nach auf unserer Website. Auch die Teilnahme an unserer Ausbildung zum Zertifizierten Systemischen ConflictCoach bietet sich zur Professionalisierung an.

 

Diesen Artikel finden Sie auch unter: „Gleich und gleich gesellt sich gerne“ – saferinternet.at

 

Mag. Christine Haberlehner

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